Joost macht Internet-Fernsehen massentauglich

Bislang ist Fernsehen übers Internet nicht massentauglich. Der Online-Fernseh-Dienst Joost (sprich „dschust“) will das nun ändern und das Fernsehen revolutionieren. Die Macher von Joost versprechen einiges: jederzeit abrufbarer, kostenloser Zugriff auf hunderte Fernsehprogramme in hoch auflösender Bildqualität ohne Ladezeiten oder zusätzliche Hardware. Man benötigt weder eine TV-Karte noch einen Decoder oder eine Satellitenschüssel. Voraussetzung ist lediglich ein Breitband-Internetzugang. Joost will sich gänzlich über Werbung finanzieren, die – anders als beim herkömmlichen Fernsehen – direkt auf den Nutzer zugeschnitten ist.

P2P-Internettechnologie

Die Software von Joost basiert im Gegensatz zu Videoportalen wie YouTube auf Peer-to-Peer-Technologie. Die Daten kommen nicht von zentralen Rechnern, sondern werden in kleinen Schnipseln unterteilt auf verschiedene Server gespeichert und dann direkt von einem Joost-Benutzer zum anderen übertragen. Dadurch entstehen für den Nutzer keine Ladezeiten. Ein Nachteil von Joost ist jedoch das Datenaufkommen. Die hohe Auflösung und die Datenrate der Inhalte verursacht pro Stunde etwa 400 Megabyte Traffic.

Beta-Version im Test

Öffentlich zugänglich ist der TV-Anbieter allerdings noch nicht. Momentan läuft eine Beta-Testversion. Für den Einstieg benötigt man eine Einladung eines bestehenden Nutzers. Joost kämpft derzeit noch mit einigen Problemen. Server-Überlastungen machen dem Internet-Anbieter zu schaffen. Tester beklagen sich über schlechte Bildqualität oder fehlerhaftes Abspielen der Fernsehprogramme. Bis zum Sommer sollen diese Fehler behoben sein. Dann soll – so wird allerorts spekuliert - der offizielle Start von Joost erfolgen.

Joost wurde 2006 von Janus Friis und Niklas Zennström unter dem Namen “The Venice Project” gegründet. Erst seit heuer firmiert es unter dem aktuellen Namen. Friis und Zennström sind als Erfinder der Internet-Musik-Tauschbörse „Kazaa“ und der VoIP-Software „Skype“ bekannt. Erst kürzlich verkauften sie Skype für 2,6 Millionen Dollar an eBay.

Bescheidenes Angebot soll sich erweitern

Für europäische Seher ist die Programmauswahl momentan noch eingeschränkt. Das soll sich aber bald ändern. Joost hat vor wenigen Tagen eine 45-Millionen-Dollar Finanzspritze von fünf verschiedenen Investoren bekommen. Neben CBS und Viacom erwarben auch die Venture-Capital-Firmen Index Ventures aus Europa, die Sequoia Capital aus dem Silicon Valley sowie der Milliardär Li Ka- Shing aus Hongkong einen Minderheitsanteil am Unternehmen. Mit dem Geld will Joost die Produktentwicklung und die globale Expansion beschleunigen und das Angebot deutlich ausbauen. Mit Serien, Dokumentationen und Spielfilmen möchte Joost ein vollwertiges Fernsehprogramm werden. Bis zum offiziellen Start könnte sich die Zahl der Sender vervielfachen Ob sich das Internetfernsehen mit Joost etabliert, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Im Sommer wird die Konkurrenz unter den Anbietern jedenfalls größer. Neben Joost gehen eine ganze Reihe von Internet-TV-Diensten an den Start. Neben den Versuchen bestehender Fernsehsender, wie etwa BBC, ARD, ZDF oder RTL wollen auch zahlreiche TV-on-demand-Dienste, etwa von Amazon, BitTorrent oder Warner Brothers, ins Netz stürmen.